MARIËT  MEESTER

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Der Liebesroman Bokkezang (Bocksgesang) ist die Geschichte zweier junger Menschen, Jo und Yolan, die sich in einem kleinen Zimmer in Amsterdam aufhalten. Jo sitzt auf einem Widderfell und schweigt, schon seit Tagen. Yolan stellt ihm Essen hin, legt ihm einen Schlafsack um die Schultern und wartet. Als das Schweigen fortdauert und auf diese Art Wochen vergehen, beschwört sie in einer langen Litanei ihre gemeinsame Geschichte, um ihren Freund, der fast schon versteinert ist, wiederzuerwecken und zum Sprechen zu bringen.

Im Erzählen führt sie Jo zu ihrem Leben in einem verfallenen Landhaus in Frankreich zurück, zu den "Nannies", gehörnten Säugetieren von beinahe mythischem Wesen, die sie in den Wäldern hüteten, denen sie Geburtshelfer waren und die in ihren Armen starben. Mit ihren Worten läßt sie ihn ihre eigenen Versuche wiedererleben, sich die Natur faßbar zu machen, in ihrem Atelier, in dem sie Zehntausende von Kotstücken trocknete und vergoldete, Skulpturen aus Lehm und Tierleichen anfertigte. Sie erinnert Jo auch an ihr späteres Leben in der Stadt, die sie durchstreiften, um im Müll nach Nahrung und anderen Dingen zu suchen.

Bokkezang handelt von zwei Menschen, die nach vollkommener Autonomie streben: sie in der Kunst, er in der Natur. Wo Jo den Kreislauf von Leben und Tod akzeptiert, versucht Yolan, diesen Kreis zu durchbrechen. Freiheit, Sensibilität und Androgynie sind Themen dieses Romans über zwei Menschen, die beide das Spiegelbild des anderen sein wollen, deren letzte Verbindung aber schließlich der Abfall der Stadt ist, für sie die einzige Übergangsform zwischen Kultur und Natur.


Aus Rezensionen von Bokkezang:


Annemiek Neefjes in Vrij Nederland: "Meester gelingt es, ihre Themen unauffällig miteinander zu verweben und in einer mitreißenden Geschichte abzuhandeln. Die Anlage des Romans ist ebenso einfach wie stark. (...) Es ist ein kluger Schachzug, daß Meester dort, wo es notwendig ist, vieles dem Leser überläßt. Die Geschichte drängt einen zwar in eine bestimmte Richtung, aber sicher ist man sich seiner Schlußfolgerungen nie. Die Liebesgeschichte ist ausgesprochen faszinierend. Auch die originellen, bildhaften Beschreibungen des Land- und Stadtlebens halten einen in ihrem Bann. Die Passagen, in denen Krankheit, Fäulnis und Tod vorkommen, sind bewegend in ihrer rohen Direktheit (...). Selbst die traurigsten oder besonders tragischen Passagen verlieren durch den beschwingten Schreibstil, eine relativierende Bemerkung oder durch verspielte Bildsprache etwas von ihrer Schwere."


Bart Vervaeck in De Morgen: "Ein beinahe essayistischer Roman über das Verhältnis von Natur und Kultur. (...) Der Roman zeigt, daß der Mensch in seinem Streben, über die Natur hinauszugelangen, diese gerade bejaht. Das menschliche Ringen um Kultur unterscheidet sich letztlich nicht sehr vom Überlebenskampf des Tieres. Yolan kann das Töten und Vernichten in der Natur nicht ertragen. Jo wird von den Morden und Vernichtungstaten in der sogenannten zivilisierten Welt zum Wahnsinn getrieben. Er bricht alle Verbindungen zu dieser Welt ab, nachdem er durch Zeitung und Fernsehen mit der Kulturversion des struggle for life konfrontiert wurde. Hier liegt die Tragödie des Menschen: Er kann sich nur behaupten, indem er sich gegen die Natur wendet, zur der er dennoch immer gehören wird. So bringt ihm jeder Sieg auch gleich einen Verlust. Gewinnt Jo, verliert Yolan, und das ist tragisch, weil die beiden eigentlich eins sind: Mann und Frau, Mensch und Tier, Kultur und Natur."